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22.10.2025 · Haus-Immobilienbewertung.de

Vergleichswert-, Ertragswert- oder Sachwertverfahren: Welches passt wann?

Was steckt hinter den drei Bewertungsverfahren? So bestimmen Vergleichswert-, Ertragswert- und Sachwertverfahren den tatsächlichen Immobilienwert – mit Beispielen und Anwendung.

Einleitung: Drei Wege zum Immobilienwert

Kurz gesagt: Es gibt nicht das eine Verfahren. Vergleichswert-, Ertragswert- und Sachwertverfahren dienen unterschiedlichen Zwecken – vom privaten Verkauf bis zur Investorenanalyse. Das richtige Verfahren zu wählen heißt, den Markt zu verstehen.

Die Immobilienbewertung ist keine Mathematikübung, sondern eine Kunst aus Marktkenntnis, Datenanalyse und Erfahrung. Jedes Bewertungsverfahren folgt eigenen Regeln und Zielen. Während das Vergleichswertverfahren den tatsächlichen Marktpreis spiegelt, richtet sich das Ertragswertverfahren nach der Rendite eines Objekts. Das Sachwertverfahren wiederum stellt auf die Herstellungskosten ab und dient als Anker, wenn Marktvergleiche fehlen.

Ob Eigenheim, Mehrfamilienhaus oder Gewerbefläche – der Gutachter entscheidet nach Nutzungsart, Datenlage und Bewertungszweck, welches Verfahren angewendet wird. In der Praxis werden die Ansätze oft kombiniert, um ein realistisches und nachvollziehbares Ergebnis zu erzielen.

1. Vergleichswertverfahren – Orientierung am Markt

Prinzip

Beim Vergleichswertverfahren wird der Immobilienwert aus real erzielten Verkaufspreisen ähnlicher Objekte abgeleitet. Es ist damit das marktnächste Verfahren und die Standardmethode für Eigentumswohnungen, Einfamilienhäuser und Baugrundstücke. Grundlage sind Vergleichsfälle aus der Kaufpreissammlung der Gutachterausschüsse.

Vorteile

  • Direkte Marktanbindung, realistische Werteinschätzung
  • Für Wohnhäuser und Wohnungen besonders geeignet
  • Vermeidet theoretische Berechnungen

Grenzen

  • Nur bei ausreichender Zahl vergleichbarer Verkäufe sinnvoll
  • Seltene Objekte (Villen, Spezialimmobilien) schwer einzuordnen
  • Marktschwankungen können kurzfristig starke Ausschläge erzeugen
Beispiel: Drei benachbarte Häuser ähnlicher Bauart wurden in den letzten 12 Monaten verkauft. Aus deren Preisen ergibt sich durch Anpassung an Größe und Zustand der Vergleichswert Ihres Hauses.

2. Ertragswertverfahren – Immobilien als Kapitalanlage

Das Ertragswertverfahren ist das Werkzeug der Investoren. Es bewertet die Wirtschaftlichkeit einer Immobilie auf Basis der künftig erzielbaren Erträge. Besonders bei Miet- und Gewerbeobjekten ist diese Methode Standard. Entscheidend sind nachhaltig erzielbare Mieten, Bewirtschaftungskosten und der Liegenschaftszinssatz.

So funktioniert’s
  1. Berechnung der Jahresnettomiete (nach Abzug der nicht umlagefähigen Kosten)
  2. Abzug der Bewirtschaftungskosten → Reinertrag
  3. Kapitalisierung des Reinertrags mit dem Liegenschaftszinssatz
  4. Addition des Bodenwerts ergibt den Ertragswert
Faustregel: Je stabiler die Mieteinnahmen und je geringer das Risiko, desto höher der Wert.
ParameterBedeutungEinfluss
JahresnettomieteTatsächlich erzielbare Miete nach KostenSteigt der Ertrag, steigt der Wert
LiegenschaftszinsMarktzins für vergleichbare ObjekteNiedriger Zins = höherer Wert
BewirtschaftungskostenInstandhaltung, Verwaltung, LeerstandHohe Kosten mindern den Ertragswert
Achtung: Ein Ertragswert ist keine Garantie für zukünftige Gewinne. Er beschreibt den Wert zum Stichtag bei nachhaltiger Mieteinnahme – nicht bei spekulativen Erwartungen.

3. Sachwertverfahren – der Substanzwert im Fokus

Das Sachwertverfahren kommt zum Einsatz, wenn Vergleichsfälle oder Mieten fehlen – etwa bei Einfamilienhäusern in ländlichen Lagen oder Sonderbauten wie Arztpraxen. Es misst den Wiederbeschaffungswert: Wie teuer wäre es, das Gebäude heute neu zu errichten? Vom Neubauwert werden Altersminderungen und Abnutzung abgezogen, dazu kommt der Bodenwert.

Berechnungsschritte
  • Ermittlung des Gebäudenormalherstellungswerts
  • Abschreibung (Alterswertminderung) gemäß Restnutzungsdauer
  • Addition mit aktuellem Bodenwert
  • Anpassung durch Marktanpassungsfaktor
Typischer Einsatz: Eigenheime in Märkten mit wenigen Verkäufen, Spezialobjekte, Bewertung für Versicherungen oder steuerliche Zwecke.

4. Direkter Vergleich der Verfahren

Jedes Verfahren hat Stärken und Grenzen. Ein realistisches Gutachten kombiniert mehrere Ansätze, um Abweichungen auszugleichen. So lässt sich prüfen, ob der Substanzwert (Sachwert) und der Marktwert (Vergleichs- oder Ertragswert) plausibel übereinstimmen.

VerfahrenGeeignet fürBewertungszielHauptvorteil
VergleichswertWohnhäuser, EigentumswohnungenMarktnah, realer VerkaufspreisDirekte Käuferorientierung
ErtragswertMietobjekte, GewerbeKapitalisierung von ErträgenInvestorenlogik
SachwertIndividuelle BautenSubstanzwert, WiederbeschaffungObjektiv auch ohne Markt

5. Welches Verfahren ist das richtige?

Grundsatz: Das richtige Verfahren richtet sich nach Zweck, Objektart und Datenlage – kein Gutachter entscheidet aus Bauchgefühl.
Privater Verkauf

Hier zählt der Marktpreis. Das Vergleichswertverfahren zeigt, was Käufer aktuell zahlen. Ideal für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen.

Vermietete Objekte

Bei Renditeimmobilien führt kein Weg am Ertragswert vorbei. Er zeigt, was die Immobilie als Kapitalanlage wert ist – unabhängig vom emotionalen Faktor.

Sonderfälle & Versicherungen

Das Sachwertverfahren ermittelt den Wiederaufbauwert – entscheidend für Schadensregulierung, steuerliche Bewertungen oder seltene Objekte ohne Vergleich.

Fazit: Drei Wege, ein Ziel – den realen Wert

Fazit: Kein Verfahren ist „besser“. Entscheidend ist, wie gut es zur Immobilie und zum Bewertungszweck passt. Ein erfahrener Gutachter kombiniert Methoden und gleicht sie mit Marktdaten ab.

Der Vergleichswert bringt Markttransparenz, der Ertragswert zeigt die Rendite, der Sachwert liefert die Substanzbasis. Zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild vom Immobilienwert. Nur wer versteht, wie diese Verfahren greifen, kann Angebote und Gutachten kritisch einordnen. Das schützt vor Überbewertungen und unterfüttert Verhandlungen mit Fakten statt Gefühlen.

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Manfred Haus
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